Hintergrund
Bericht vom 25.08.2026
Netzwerktreffen: Bewegt älter werden
Lesedauer:5 Minuten
Worum ging es?
Der Frage, wie Bewegungsförderung von älteren Menschen niedrigschwellig und wohnortnah gestaltet werden kann, widmete sich das das Landesprogramm SPORTLAND HESSEN bewegt mit seinem diesjährigen digitalen Netzwerktreffen „Bewegt älter werden“. Aktuelle Entwicklungen auf Landesebene und Praxisbeispiele aus Hessen wurden vorgestellt, ein wichtiger Schwerpunkt lag zudem auf dem Thema Mobilität im Alter und Ansätzen zur Stärkung der Verkehrssicherheit beim Radfahren.
Wer nahm teil?
An der Onlineveranstaltung nahmen knapp 65 Fachpersonen aus unterschiedlichen Bereichen und Regionen Hessens teil. Zu Beginn gaben die Teilnehmenden über das Tool Padlet an, von wo sie zugeschaltet waren.
Inhalte
Entwicklungen Landesebene
- Referentin: Lena Ondrasch (HAGE)
Bewegungsförderung findet in unterschiedlichen Lebenswelten statt – von Kindertagesbetreuung und Schule über Sportvereine und Betriebe bis hin zu Senioreneinrichtungen und dem öffentlichen Raum. Jedes Setting bietet dabei spezifische Rahmenbedingungen und Ansatzpunkte für bewegungsfördernde Maßnahmen.
Die digitalen Setting-Seiten von SPORTLAND HESSEN bewegt bereiten diese Vielfalt strukturiert und praxisnah auf. Ausgangspunkt ist die Kommune als Dachsetting, von dem aus Akteurinnen und Akteure gezielt zu den einzelnen Lebenswelten navigieren können.
Die einheitlich aufgebauten Seiten bieten:
- Fundierte Argumente und wissenschaftliche Evidenz zum Nutzen von Bewegungsförderung in den jeweiligen Settings,
- konkrete Handlungsansätze, Praxisbeispiele, Leitfäden und Empfehlungen,
- Informationen zu Förder- und Qualifizierungsmöglichkeiten,
- einen Überblick über zentrale Akteurinnen und Akteure sowie Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Hessen.
- Referent: Dipl.-Ing. Bernd Schnabel, Freier Landschaftsarchitekt AKH BDLA) und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) des 4. Arbeitskreises „Bewegungsförderung im öffentlichen Raum“ des Landesprogramms SPORTLAND HESSEN bewegt
Im Mittelpunkt des Beitrags stand der öffentliche Raum als niedrigschwelliger Ort für Bewegung. Da er allen Menschen unmittelbar zur Verfügung steht, sollte Bewegungsförderung bei seiner Planung und Gestaltung grundsätzlich mitgedacht werden.
Vorgestellt wurde der praxisorientierte Handlungsleitfaden „Bewegungsförderung im öffentlichen Raum“, der im Rahmen des 4. Arbeitskreises des Landesprogramms SPORTLAND HESSEN bewegt erarbeitet wird. Der Vortrag gab erste Einblicke in zentrale Inhalte und legte einen besonderen Fokus auf die Frage, wie öffentliche Räume auch mit Blick auf die ältere Bevölkerung bewegungsförderlich gestaltet werden können.
Bernd Schnabel zeigte dazu praxisnahe Ansätze, die Bewegungsräume neu denken – etwa Schaukeln am Wegesrand, bewegungsanregende Bushaltestellen oder multifunktionale Orte, die Aufenthaltsqualität und Alltagsbewegung miteinander verbinden. Mit Blick auf die alternde Bevölkerung betonte er zudem die Bedeutung von Zugänglichkeit und Barrierefreiheit. Dazu gehören der Abbau baulicher Barrieren, ausreichend Sitz- und Ruhegelegenheiten, Wasserspender, gut erreichbare Toiletten sowie eine angemessene Beleuchtung.
Der Handlungsleitfaden wird gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) finalisiert. Die Veröffentlichung ist noch für 2026 vorgesehen.
- Referent: Felix Weber (HAGE)
Mit dem Impulsgeber Bewegungsförderung (IB) steht Kommunen ein kostenloses digitales Planungstool zur Verfügung. Es basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wurde unter Einbezug kommunaler Praxiserfahrungen entwickelt. Der Impulsgeber unterstützt Kommunen dabei, Bewegungsförderung systematisch zu planen, umzusetzen und weiterzuentwickeln.
Dafür bietet er unter anderem Instrumente zur Bestands- und Bedarfserhebung, Argumentationshilfen, Praxisbeispiele sowie Materialien zur Qualitätssicherung und Evaluation. Durch seinen modularen Aufbau eignet er sich sowohl für den Einstieg in die kommunale Bewegungsförderung als auch für die Weiterentwicklung bestehender Strukturen.
Die HAGE ergänzt den Impulsgeber Bewegungsförderung durch ein fachlich fundiertes und kostenfreies Beratungsangebot für hessische Kommunen. Dieses ist modular und bedarfsorientiert aufgebaut und kann – je nach Ausgangslage – die Sensibilisierung relevanter Akteurinnen und Akteure, moderierte Austauschformate sowie eine individuelle fachliche Begleitung umfassen. Ziel ist es, Kommunen bei der Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung bewegungsfördernder Maßnahmen zu unterstützen und passende Handlungsmöglichkeiten vor Ort zu identifizieren.
Praxisbeispiele
- Referent: Dominic Günther, Bewegungskoordinator, Vogelsbergkreis, Stabsstelle Gremien und politische Steuerung
Der Vogelsbergkreis setzt im Rahmen der Bewegungsförderung auf verschiedene niedrigschwellige Angebote für Menschen ab 55 Jahren. Dazu gehören eine Vortragsreihe rund um Bewegung im Alter, kostenfreie Pedelec- und E-Bike-Kurse sowie die Bewegungssammelkarte „Wir gehen voran – 1 Tag, 1 Kilometer“.
Die Umsetzung erfolgt gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern aus Kommunen, Seniorenbeiräten, sozialen Trägern, Sportvereinen, Pflegeeinrichtungen, Kirchengemeinden und weiteren lokalen Strukturen.
Das Beispiel zeigt anschaulich, wie niedrigschwellige Angebote und das Zusammenwirken unterschiedlicher kommunaler Strukturen dazu beitragen können, ältere Menschen wohnortnah zu mehr Bewegung und einem sicheren, aktiven Alltag zu motivieren.
- Referent: Theodor Hohmann, Koordinator Förderprojekt „Pflegeheim- Mitten im Leben“, Pflegeeinrichtung des Marie-Behre-Haus, Baunatal
Theodor Hohmann stellte ein Praxisbeispiel zur Bewegungsförderung in einer Pflegeeinrichtung vor. Eingebettet ist der Ansatz in das Förderprojekt „Pflegeheim – Mitten im Leben“, bei dem neben der Kooperation und Vernetzung auch Bewegungsförderung von älteren Menschen eine Rolle spielen.
Ein konkreter Ansatz ist die Kooperation zwischen dem Marie-Behre-Haus und dem Turn- und Sportverein (TSV) Guntershausen. Gemeinsam wurde ein Seniorensportangebot entwickelt. Das Beispiel zeigt, wie die Öffnung in den Sozialraum den Bewohnenden vielfältigere Bewegungs- und Begegnungsmöglichkeiten eröffnet und Vereinen zugleich zusätzliche Räume für ihre Angebote bietet.
Auf die Vorstellung der Praxisbeispiele folgte eine Austauschrunde. Besprochen und diskutiert wurden Rückfragen zu den Projekten, Erfahrungen mit der Ansprache von Zielgruppen und der Gestaltung niedrigschwelliger Angebote. Auch das Thema Mobilität wurde aufgegriffen – hier wurden verschiedene Möglichkeiten zur Umsetzung von Fahrradkursen auf kommunaler Ebene aufgegriffen.
Hinweise zum Thema Mobilität und Radfahrkurse:
- Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) bietet unter anderem Radfahrkurse und Fahrsicherheitstrainings für ErwachseneÖffnet sich in einem neuen Fenster an. Pedelec-Kurse richten sich besonders an Wiedereinsteigerinnen und Wiedereinsteiger sowie Personen, die auf ein Pedelec umsteigen, und trainieren beispielsweise Bremsen, Balance, Koordination und den sicheren Umgang mit den Fahrstufen. Die Kosten liegen bei ca. 35–40 Euro pro Person bzw. rund 300 Euro für einen vierstündigen Kurs mit maximal acht Teilnehmenden.
- Die Verkehrswacht Hessen und ihre Kreisverbände legen den Schwerpunkt auf Verkehrssicherheit und Unfallprävention und bietet unter anderem Pedelec-Sicherheitstrainings Öffnet sich in einem neuen Fensteran. Kommunen und weitere Akteure können entsprechende Trainings gemeinsam mit der Verkehrswacht organisieren; erforderlich sind vor allem eine geeignete Fläche und Teilnehmende. Mögliche Finanzierungs- und Förderwege, etwa über das Bundesministerium für VerkehrÖffnet sich in einem neuen Fenster, können gemeinsam geprüft werden.
- Angebot für Frauen: Der infrau e. V. bietet FahrradkurseÖffnet sich in einem neuen Fenster in Frankfurt speziell für Frauen an, die das Fahrradfahren neu erlernen möchten. Ziel ist es, über mehrere Kurstage schrittweise die notwendigen Bewegungsabläufe zu erlernen. Der Teilnahmebeitrag beträgt aktuell 50 Euro.
- Bike Bridge: Der Verein Bike Bridge e. V. bietet mit „ Bike & BelongÖffnet sich in einem neuen Fenster“ mehrwöchige, kostenfreie Fahrradlern- und Übungsangebote für Frauen mit und ohne Flucht- und Migrationserfahrung an. In Frankfurt finden entsprechende Kurse auch 2026 statt; Fahrräder und Helme werden gestellt. Ziel ist neben dem Erlernen des Radfahrens auch die Förderung von Mobilität, Selbstwirksamkeit und gesellschaftlicher Teilhabe.
In der untenstehenden Präsentation finden Sie weiterführende Informationen zu Terminen und Veranstaltungen, Fördermöglichkeiten sowie bestehende Angebote rund um die ältere Lebensphase.
Weitere Fördermöglichkeiten und Projekte finden Sie außerdem in der Förderdatenbank und der Projektdatenbank des Landesprogramms SPORTLAND HESSEN bewegt. Hier sind zahlreiche Programme auf Landes- und Bundesebene mit praktischen Filtermöglichkeiten übersichtlich zusammengestellt.
Organisation
Die ProgrammunterstützungÖffnet sich in einem neuen Fenster für das Landesprogramm SPORTLAND HESSEN bewegt organisierte die Veranstaltung. Die Programmunterstützung ist bei der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAGE) angesiedelt und wird aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) finanziert.
Fragen?
Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich gerne an:
Kontakt
Leitung Arbeitsbereich Bewegungsförderung
Béatrice Frank-Ebker
Programmunterstützung für das Landesprogramm
HAGE