Sportliche Menschen im Park, alt und jung

Hintergrund, Zahlen & Fakten

„Wer rastet, der rostet …“

Für ein möglichst beschwerdefreies und langes Leben mit hoher Lebensqualität spielt körperliche Aktivität bzw. Bewegung eine wichtige Rolle. Unter körperlicher Aktivität versteht man jegliche Bewegung, die durch Muskelaktivität hervorgebracht wird.

Dazu gehören sowohl Alltagsaktivitäten wie Gehen, Treppensteigen, Radfahren oder Gartenarbeit als auch Freizeit- und Gesundheitssport. Regelmäßige Bewegung ist zum Beispiel im Kindes- und Jugendalter wichtig für die körperliche, geistige und seelische Entwicklung. Im Alter dagegen hilft regelmäßige körperliche Bewegung, kraftvoll und mobil zu bleiben.

Regelmäßige Bewegung hilft, Krankheiten vorzubeugen. Denn Bewegungsmangel ist einer der zentralen Risikofaktoren für die Entstehung der meisten nicht übertragbaren Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Typ II oder Gelenk- und Rückenleiden.

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist Bewegungsmangel die Epidemie des 21. Jahrhunderts, zumindest in entwickelten Ländern. Bewegungsförderung ist somit ein wichtiges Handlungsfeld der Prävention und Gesundheitsförderung.

"Allzweckmittel" Bewegung

Auswirkungen von regelmäßiger körperlicher Aktivität und Bewegungsmangel auf unsere Gesundheit:

  • „Extremsitzer“ (mehr als acht Stunden am Tag), die sich nicht sportlich betätigen, weisen ein um rund 80 Prozent erhöhtes Sterberisiko auf (s.u. Quellen 1.)
  • Fünf Stunden körperliche Bewegung pro Woche sind erforderlich, um ein tägliches Sitzen von acht und mehr Stunden zu kompensieren (s.u. Quellen 1.)
  • Schon 15 Minuten Bewegung am Tag senken das Mortalitätsrisiko um 14 Prozent (s.u. Quellen 2. und 3). Jede weitere Viertelstunde reduziert das Risiko um weitere 4 Prozent. Die Superaktiven, die rund 50 Minuten intensiv Sport pro Tag treiben, können ihr Sterberisiko sogar um knapp die Hälfte reduzieren (s.u. Quellen 3.)
  • Regelmäßiger Ausdauersport (dreimal 45 Minuten pro Woche) erhöht einer Studie zufolge die Aktivität des Enzyms Telomerase, das die Schutzkappen der Chromosomen, die Telomere, verlängert und die Körperzellen dadurch wieder "verjüngt" (s.u. Quellen 4.)
  • Ältere Menschen, die ihr ganzes Leben viel Ausdauersport treiben, weisen in einer Studie deutlich aktivere B- und T-Zellen im Blut auf (s.u. Quellen 5.) . Dadurch sind sie weniger anfällig für Infektionen, chronische Entzündungen und Autoimmunerkrankungen und weisen einen besseren Impfschutz auf.

  • Zu hoher Blutdruck ist ein häufiger und vermeidbarer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Studien deuten darauf hin, dass man durch regelmäßige Bewegung Bluthochdruck verhindern und behandeln und damit auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen kann (s.u. Quellen 6.).
  • Schon 5-10 Minuten langsames Joggen am Tag reduzieren das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um fast zwei Drittel (s.u. Quellen 7.).

  • Muskelaufbautraining eignet sich neben Ausdauersport im Kampf gegen Diabetes. Zusätzliches Muskelgewebe erhöht die Glukose-Speicherkapazität des Körpers und senkt den HbA1c-Wert noch effektiver ab: Schon 2,5 Stunden aktives Spazierengehen pro Woche verringert bei Gesunden das Diabetesrisiko um 30 Prozent und hilft Menschen, die bereits an Diabetes erkrankt sind, ihren HbA1c-Wert um 0,5-0,7 Prozent zu senken (s.u. Quellen 8. und 9.)

  • Regelmäßiger Sport aktiviert die natürlichen Killerzellen, deren Aufgabe unter anderem die Bekämpfung von Krebszellen ist. Wer zudem körperlich sehr aktiv ist (rund 3-mal so viel wie die WHO empfiehlt), kann sein Risiko für die Entwicklung von 13 Krebsarten um bis zu 42 Prozent verringern – darunter Darm-, Lungen- und Brustkrebs mit je 16 Prozent, 26 Prozent und 10 Prozent Reduktion (s.u. Quellen 10. und 11.)
  • Doch auch nach einer Krebsdiagnose ist es nicht zu spät für Sport: Patienten mit Brust- oder Darmkrebs die erst nach der Diagnose beginnen, sich zu bewegen, können ihr Sterberisiko mit einem Training nach WHO-Empfehlungen um circa 28 Prozent senken (s.u. Quellen 12.). Auch Patienten mit Prostatakrebs profitieren: Mehr als drei Stunden intensiver Sport pro Woche reduzieren die Sterbewahrscheinlichkeit nach einer Prostatakrebs-Diagnose um 61 Prozent (s.u. Quellen 13.)

  • Krafttraining führt zu einer Zunahme der Knochendichte. Körperliche Bewegung reduziert bei Personen mit Osteoporose das Risiko von Knochenbrüchen an der Hüfte (s.u. Quellen 6.)

  • Schon zehn Minuten einfaches Spazierengehen reichen aus, um unsere Neuronen besser zu vernetzen und die Gedächtnisleistung zu erhöhen (s.u. Quellen 14.). Dadurch lässt sich der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken. Eine Langzeitstudie zeigt  eindrücklich: Menschen mit einem hohen Fitnesslevel hatten ein bis zu 88 Prozent geringeres Demenzrisiko (s.u. Quellen 15.)
  • Factsheet "Bewegung und Demenz"Öffnet sich in einem neuen Fenster (BZgA)

  • Sport erhöht die Konzentrationen von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im Blut, die über die Aktivierung unseres Belohnungssystems die Stimmung verbessern und Stressgefühle vermindern (s.u. Quellen 16. und 17.)
  • Körperliche Aktivität taugt auch als äußerst wirksames Mittel gegen Depressionen: Eine Studie zeigt, dass 30 Minuten Joggen pro Woche ähnlich gut wirken wie ein Antidepressivum (s.u. Quellen 18.)

  • Funktionelles Aufbautraining der großen Muskelgruppen hilft, um dem beschleunigten Muskelabbau und damit der Sturzgefahr entgegenzuwirken (s.u. Quellen 19.)

  1. Journal of the American College of Cardiology,Öffnet sich in einem neuen Fenster 2019
  2. Nature Reviews Cardiology,Öffnet sich in einem neuen Fenster 2018
  3. The LancetÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2011
  4. European Heart JournalÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2019
  5. Wiley Online Library, Aging CellÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2018
  6. Stiftung GesundheitswissenÖffnet sich in einem neuen Fenster
  7. Journal of the American College of CardiologyÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2014
  8. JAMAÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2010
  9. Annals of Internal MedicineÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2007
  10. Pedersen et al., Cell MetabolismÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2016,
  11. Moore et al., JAMA Internal MedicineÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2016
  12. Schmid et al., Annals of OncologyÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2014
  13. Kenfield et al., Journal of Clinical OncologyÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2011
  14. Suwabe et al., Journal of Clinical LipidologyÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2011
  15. Hörder et al.Öffnet sich in einem neuen Fenster,NeurologyÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2018
  16. Lin TW, Kuo YM. Öffnet sich in einem neuen FensterBrain SciÖffnet sich in einem neuen Fenster 2013
  17. De Moor et al.,Preventive MedicineÖffnet sich in einem neuen Fenster, 2006
  18. Blumenthal et al.,Öffnet sich in einem neuen FensterJama Innternal MedicineÖffnet sich in einem neuen Fenster, 1999
  19. Bewegungsförderung 60+. LIGA.NRW.,Öffnet sich in einem neuen Fenster2010

Allgemein: 

Studien und Datenlagen

Hier finden Sie eine Übersicht zu Studien und Datenlagen zum Bewegungsverhalten unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen:

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